Musik als Diplomarbeit: „Um Gottes Willen!“
„ Eine Diplomarbeit ist eine große schriftliche Arbeit am Ende deiner Schulzeit, die das eigenständige Lösen einer praxisnahen Aufgabe zeigt. „
Was wenn die Diplomarbeit aber anders aussieht? Mein Mitschüler Bacher Felix und ich veröffentlichen ein Musikprojekt. Mit Fokus auf die Praxis, anstatt des Schreibens.
Das Wichtigste in Kürze
- Praxis im Fokus
- Blut, Schweiß, Tränen und Stress: Diplomarbeit
- Musikkarriere = Marketing
- Digitale Musik: Digital Audio Workstations (DAWs)
- UMGOTTESWILLEN
- Ich will mehr – Quiero más
Über die Arbeit
Das ist ein bisschen simplifiziert. Ein ganzes musikalisches Album mit Vermarktung, einer Video-Dokumentation zum Prozess, mehrere Musikvideos, Designarbeiten und mehreren Social Media Accounts, ist keine leichte Kost. Aber was wäre eine Diplomarbeit ohne Blut, Schweiß und Tränen. Die Kreation und die Vermarktung des Projektes sind ein großer Teil der Arbeit. Doch wir wollten uns das Leben noch schwerer machen, indem wir zur Diplomarbeit eine Dokumentation filmen. Es soll hinter den Kulissen gezeigt werden. Die Kreation von Songs, Musikvideos, und allem anderen.
Half-Time
Es ist gerade Anfang August. Man könnte sagen wir sind mitten drin in der Diplomarbeit, auch wenn es sich nicht gerade so anfühlt, aufgrund dessen das wir beide mit Praktika und Sommerjobs beschäftigt sind. Die Dokumentation, Filmarbeiten und Songs sind weit weg von fertig. Ebenso die Vermarktung. Derzeit sind es ein Haufen Ideen und nur ein Bruchteil dessen welche verwirklicht wurden. Auf der „großen Liste“ von Ideen steht noch die Produktion von CDs und anderen physischen Medien, Musikvideos, Website für das Projekt, verschiedene Marketingideen, der Dokumentarfilm, und, und, und…
Viel Arbeit, wenig Zeit.
Klingt wie jede Diplomarbeit. Doch das Projekt nur als „Diplomarbeit“ zu bezeichnen fühlt sich falsch an. Wir arbeiten nicht nur an dem ganzen „wegen der Schule“ sondern aus eigenem Interesse und Leidenschaft für die Kreation von Kunst und Musik als Kunstform. Aber nicht nur Musik. Design, Videografie, Fotografie, Malerei, …
Was steckt schon dahinter?
Der größte Teil (und auch der lustigste) bisher war die Produktion und Kreation von Songs. Die Produktion, das Songwriting, der Mix und das Mastering. Manche Songs welche durchdacht sind und mit Absicht entstanden sind, sowie aber auch Songs auf denen wir einfach Spaß hatten. Songs welche im Moment entstehen und nicht viele Gedanken dahinterstecken.
Wie ein Freud’scher Versprecher. Sie passieren einfach. Auch diese Songs sind oft wunderschön in Ihrem eigenen Weg.
„Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst.”
Marie von Eber-Eschenbach
Gut geschätzt sind bisher um die 50 Songs für unser Album namens „Um Gottes Willen“ entstanden. Manche mit Lyrics, manche ohne. Manche durchdacht, manche nicht. Wenn wir genügend Songs haben, welche wir für richtig empfinden, werden wir die Reihenfolge der Songs bestimmen und das Album finalisieren.
Zu Zweit
Ich bin dankbar das wir nur zu zweit sind. Den Zeit- und Arbeitsaufwand aufzuteilen ist schon schwer genug zu zweit. Vor allem bei einem Musikprojekt. Bisher habe ich mehr darüber geredet was meine Aufgaben sind. Die Produktion der Songs, Mix und Master. Es ist schwer die Aufgaben wirklich konkret aufzuteilen da oft viele Aufgaben von uns beiden übernommen werden. An den Videos arbeiten wir beide. Songwriting übernehmen wir auch beide. Vermarktung, Social Media und die schriftliche als auch visuelle Dokumentation übernimmt nicht nur einer von uns, sondern immer wir beide.
Marketing
Unter Marketing verstehen wir nicht nur Social Media, Ad Kampagnen und Flyer. Das Interesse an einem Musikprojekt entsteht oft nicht durch die Musik, sondern durch die Welt und das Gefühl, welche diese umgibt. Gute Musik ist ein Teil der Gleichung. Der viel größere Teil ist das Image um diese Musik.
In welche Welt versetzt man sich als Hörer? Wie fühlt man sich? Welches Image hat der oder die Künstlerin?
Wenn wir solch hoffnungsvolle Kunst finden wollen wir immer die ersten sein.
Wie der Börsenmarkt. Man will der jene sein der das vielversprechende Start-Up Unternehmen findet kurz bevor sie es groß schaffen. Und deine 10, 20, 100 Euro werden zu Hunderttausenden.
Als „Unternehmen“ will man also den „Kunden“ viel versprechen. Ein Gefühl von Hoffnung vermitteln. Etwas ganz Eigenes machen.
Musik ohne Instrumente
Es ist nichts Neues Musik ohne Instrumente zu machen. Mit Digital Audio Workstations (DAWs) wie FL Studio, Abelton, Logic und vielen anderen kann man digital Musik machen ohne analoge Instrumente. Mit digitalen Plugins kann man Sounds kreieren die davor analog nicht möglich waren. Der Workflow in FL Studio ist ein ganz anderer als wie der mit analogen Instrumenten. Meiner Meinung nach ist die Kombination von analog und digital das perfekte Rezept.
Den Klang und das Gefühl das analoge Sounds mit sich bringen ist manchmal noch immer unschlagbar. Deswegen ist in den letzten Jahren Sampling so popular geworden. Man nimmt einen bereits bestehenden Song oder Sound (oft Vocals) und baut den in den eigenen Song ein. Ob Sampling kreativ und respektiert ist, wird oft in der Musikszene diskutiert. Meiner Meinung nach ist es 50/50. Es gibt faules Sampling. Sampling in dem der Originalsong fast nicht verändert wird. Man wird abhängig von dem bereits bestehenden Song und dessen Popularität und Qualität. Meine Lieblingsform von Sampling sind Vocals. Nicht nur fremde Stimmen, sondern auch meine eigene.
UM GOTTES WILLEN
Vielleicht muten wir uns zu viel zu. Vielleicht wird das Album nicht annähernd so „gut“ wie wir es uns vorstellen.
Egal wie lange wir planen, Analysieren und uns Sorgen machen, das Album wird nie Perfekt, und darin liegt die Kunst. Kunst ist menschlich und Menschen sind nicht perfekt. Manchmal sind diese “Fehler” genau warum etwas so schön ist. Man macht sich Sorgen über Sorgen und schiebt etwas immer weiter weg, anstatt es einfach zu tun. „Im Moment“ entsteht spontane, lebendige Kunst. Schon zu oft haben wir während der Diplomarbeit Entwürfe entworfen und geplant und diskutiert anstatt zu machen. Es ist eine der größten Herausforderungen.
Quiero Más – Ich will mehr
Einer der bereits „fast“ fertigen Songs. Quiero Más schreit Leidenschaft und Egoismus im halbherzigen Ton. „Ich bin nicht wie ihr“, weil ich hab Leidenschaft. Ein Ausschnitt aus dem Sound vom Album. Obwohl es ein Album ist und es Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Songs gibt, gibt es auch „schwarze Schafe“ und es sind verschiedene Genres gemischt. Man könnte „UMGOTTESWILLEN“ schon fast als Mixtape sehen.
Kreation und Konsum
Mit allen Systemen um uns fokussiert auf Konsum, anstatt auf Kreation, bleibt die Diplomarbeit weiterhin ein wichtiger Teil der schulischen Bildung. Sich mit einem Thema in Tiefe zu befassen und nicht nur oberflächlich ist ein wichtiger Teil des Menschseins. Das bei dem ganzen noch mehr Fokus auf die praktische Arbeit gelegt werden soll finde ich macht die Diplomarbeit noch wichtiger. Mit KI und anderen Tools wird die schriftliche Arbeit immer unwichtiger und dadurch die praktische umso wichtiger. Wer sich mit dem ausgewählten Thema nicht beschäftigt und nur mit Hilfe von KI arbeitet ist selber schuld, wenn er zum Konsumopfer wird.
Ein Leben ohne Tiefe oder Leidenschaft ist ein Leben welches immer mehr Menschen wählen. Im Komfort zu leben, Arbeiten mit KI erledigen und sich nie wirklich in ein Thema zu vertiefen, ist viel zu normalisiert.
Wenn man eines mitnimmt aus diesem Schreiben dann sollte es „quiero más“ sein.
„Der Mensch kommt nur dazu, etwas Eigenes aufzustellen, wenn er sich überzeugt, dass das Vorhandene ihm nicht genügt hat.“ ~ Achim von Arnim
Mehr Multimedia?
Über den Autor:Thomas D. Weber ist 20 Jahre alt und besucht derzeit den Medienzweig der CHS Villach. Er ist Musiker und unterstützt im Sommer 2026 das Marketing & PR Team als Praktikant.
