Gespräch mit Ali Mahlodji: Du selbst bist deine Zukunft!

by Andrea Baum
Ali Mahlodji

be inspired.

Ali Mahlodji ist in der Business- und Medienlandschaft sehr angesagt und erfolgreich.

Er ist Key Note Speaker, Visionär, Zukunftsforscher, Firmengründer, Mentor, Buchautor und Motivator. Als ehemaliger Flüchtling ist er aber auch EU-Jugendbotschafter – und damit Mutmacher für junge Menschen in einer Welt, die immer komplexer wird. Wir haben mit Ali darüber gesprochen, worauf es ankommt, um seine Zukunft erfolgreich zu gestalten. Der Glaube an sich selbst hat viel damit zu tun.

Ali Mahlodji, neben deinen vielen Tätigkeiten als Unternehmer bist du auch noch Ehemann und Papa. Wie bekommst du alles unter einen Hut?

Dazu gibt es gleich mehrere Antworten. Erstens: Ich musste erst lernen, auf was es im Leben wirklich ankommt. Dazu gehörte auch, zu Dingen „nein“ zu sagen. Wer Kinder hat, der weiß Prioritäten zu setzen. Davor – ohne Kinder – habe ich zu jeder Einladung „Ja“ gesagt. Das mache ich heute nicht mehr. Ich lasse Dinge weg, die für mich keinen Sinn mehr machen. Etwa Events, bei denen es nur ums Networking an sich geht. Einfach so mit jemandem auf einen Kaffee gehe ich auch nicht mehr – außer ich weiß, es ist eine tiefe Qualität da in der Beziehung. Ich fokussiere mich stark auf meine Familie. Und bezogen auf meinen Job: Da überlegen sich mein Team und ich 5-mal, ob ich dieses oder jenes machen soll oder nicht, ob es wirklich was bringt, ob es wirklich sinnhaft ist. Ich habe ein kleines Team, das sehr selbständig arbeitet – und das mich managed. Und wahrscheinlich habe ich tausende ungelesene E-Mails, hunderte ungelesene WhatsApp-Nachrichten – muss aber nicht mehr jede sofort beantworten, ganz ohne schlechtes Gewissen. Denn der Fokus ist, sich die Frage zu stellen: Was ist wirklich sinnvoll, was will ich wirklich machen? Am Ende des Tages hat übrigens immer meine Intuition das letzte Wort. Wenn die sagt „Ja, mach es!“ – dann mach ich es. Wenn nicht, dann nicht.

Deine Auftritte und Videos zeigen dich als Menschen, der weiß, wo´s langgeht. Du hattest dich aber auch mal als „Fehler im System“ bezeichnet. Wie meinst du das und wie passt das eine mit dem anderen zusammen?

Ich habe immer gedacht, ich bin ein Fehler, weil ich mich jeder Hierarchie und Struktur anpassen und deshalb unauthentisch sein musste. Daran wäre ich fast zerbrochen. Ich war nie der klassische Schüler oder Student, hatte immer meinen eigenen Kopf, meine eigenen Ideen. Ich wollte nie einfach nur blind Leistung abliefern, weil es die Schule so wollte. Konnte ein Lehrer mir nicht erklären, warum wir ein bestimmtes Thema brauchen, war für mich jeglicher Aufwand ins Lernen sinnlos. Ich war immer nur ein guter Schüler, wenn der Lernstoff sinnvoll war. Darum haben mir viele Leute gesagt, ich würde nie einen guten Job finden, wer solle mich schon anstellen. Dann war ich schließlich Schulabbrecher, Flüchtling, ich habe gestottert, hatte über 40 für mich unpassende Jobs – dafür aber meine Träume! Da habe ich gemerkt, ich passe nicht in die klassische Arbeitswelt. Und so war ich gezwungen, mir mein eigenes System aufzubauen, meine eigenen Projekte zu starten. Interessanterweise spüren heute immer mehr Menschen ihr eigenes „Fehler-sein“. Sie leiden an Stress, Burn-out, kommen mit dem Leistungsdruck nicht zurecht. Dabei sind nicht die Menschen der „Fehler“ – sondern das von uns erschaffene System war niemals für Menschen gedacht! Das ist es, was ich mit „Fehler im System“ sagen wollte. Darum bin ich Unternehmer geworden und mache seitdem mein eigenes Ding.

Ali Mahljodi
Ali Mahljodi ist Key Note Speaker, Visionär, Zukunftsforscher, Firmengründer, Mentor, Buchautor und Motivator. Foto (c)Gregor Nesvadba

Ali Mahlodji, du wurdest in Iran geboren und bist 1984 mit deinen Eltern nach Europa geflüchtet. Inwieweit hat dir deine Herkunft geholfen, deinen Weg zu finden und ihn erfolgreich zu gehen?

Im Nachhinein bin ich unfassbar glücklich, als Flüchtling aufgewachsen zu sein! Weil ich von Tag 1 an lernen musste, mich zurechtzufinden in einer für mich damals neuen Welt. Viele Menschen haben heute Angst vor Unsicherheit – für mich war das für mich völlig normal. Als Fremder in einem mir fremden Land fühlte ich mich identitätslos. Ich hatte niemanden in Österreich (außer meine Eltern) und wuchs in einem mittellosen Umfeld auf. Diese Identitätslosigkeit war in meiner Jugend und noch als Erwachsener ein Riesenproblem. Ich fragte mich, wer ich bin. Bin ich Perser? Zurück in den Iran konnte ich nicht – zu gefährlich für mich als ehemaliger Flüchtling! Bin ich Österreicher? Ich hätte es mir gewünscht! Doch viele Menschen beschimpften mich als Ausländer, meinten, ich gehöre nicht hierher. Dann habe ich mich mehr und mehr aufs Positive fokussiert: Für jeden, der sagte, ich sei ein Scheiß-Ausländer, gab es 20 andere Leute, die sagten: „Schön, dass du in Österreich bist – herzlich Willkommen, wir glauben an dich!“. So habe ich gelernt, dass ich sein kann, wer ich sein möchte. Heute bin ich im Herzen Österreicher und fühle mich als Europäer mit persischen Wurzeln. Im Laufe der Jahre habe ich mir meine eigene Identität geschaffen – von daher war´s also perfekt!

Wer bzw. was inspiriert dich als Unternehmer und Visionär, was treibt dich an?

Seit meiner Jugend „borge“ ich mir von anderen Menschen die Skills, die ich gut finde. Damals etwa von Michael Jordan, der einfach gegen alle in die Korbzone zog. Hieß übertragen: „Keine Angst vor größeren Playern, Ali! Beiß dich durch, trete selbstbewusst auf!“ Später habe ich versucht, mir von klassischen Unternehmern wie Steve Jobs oder Elon Musk was abzuschauen – habe aber wieder damit aufgehört. An Musk finde ich zwar urgenial, wie er Visionen entwickelt. Doch wenn man sieht, wie er mit Menschen umgeht und immer wieder seine Meinung ändert – so will ich niemals werden. Barak Obama, der trotz aller Anfeindungen seinen Weg ging und erster farbiger US-Präsident wurde, oder die berühmte Forscherin Jane Goodall, die meinte, wir Menschen sollten uns nicht zu ernst nehmen, sondern uns als Teil der Natur verstehen – das sind weitere Leute, die mich bis heute unfassbar inspirieren, auch Muhammad Ali, Mahatma Gandhi, Nelson Mandela. Irgendwann musste aber auch ich reif(er) werden. So bin ich heute selbst der Erwachsene, den ich mir als Kind gewünscht hätte. Der zu mir in die Schule kommt und sagt, „Hey, du bist kein Fehler – du bist super, wie du bist! Glaub an deine Träume!“ Skills borge ich mir übrigens noch heute von anderen aus, adaptiere sie für mich und mache sie oft zu einem Teil meines Lebens. Am meisten inspiriert mich aber, ganz ehrlich, das Leben selbst. Wie die Natur funktioniert, dass ich überhaupt atmen und leben darf. Und dass irgendetwas in der Welt das Gefühl hat, es ist gut, mir ein Leben zu schenken.

Du sagst, Träume, Wünsche und Hoffnungen sind dafür da, die Welt nach vorne zu bringen. Ist es das, was du als Jugendbotschafter der Europäischen Union jungen Menschen mitgibst?

Ja, voll! Ich sage ihnen natürlich auch, dass sie handeln müssen – denn von nichts kommt nichts.  Aber sie sollen immer auch wissen, dass niemand das Recht hat, ihnen ihre Wünsche, Träume und Hoffnungen auszureden. Das ist wichtig, denn wir werden die großen Lösungen, die notwendig sind für die Welt nicht hinbekommen mit den Lösungsansätzen der Vergangenheit. Wir brauchen viel mehr Menschen, die groß denken.

Unsere moderne, permanent-digitale Gesellschaft bietet uns so viele Informationen und Chancen wie nie zuvor. Zugleich beginnt der Erfolgsdruck für junge Menschen heute extrem früh. Welche Eigenschaften müssen sie mitbringen, um später „ihr Ding“ machen zu können?

Dass wir die Büchse der Pandora geöffnet haben und ständig Zugang haben zu Informationen, zu Medien, dass wir ständig Devices bei uns haben – das hat uns nicht glücklicher gemacht. Die größte Selbstlüge war, dass wir durch mehr Technologie endlich Zeit fürs Wesentliche haben werden. Im Gegenteil: Durch all die Devices und Technologien haben wir heute ein größeres Stressgefühl als von 10 Jahren. Gerade junge Menschen müssen lernen, ihr Smartphone auch mal beiseitezulegen und sich klarzumachen, dass das, was auf Social Media passiert, nicht die Realität ist. Sie müssen lernen, sich nicht mit anderen zu vergleichen – sondern sich auf ihre innere Stimme zu fokussieren. Auf ihre eigenen Träume, darauf, welche Stärken sie haben. Echte, gute Beziehungen aufzubauen wie Freundschaften, ist auch wichtig. Genauso wie persönliche Begegnungen im tiefen Hier-und-Jetzt zu erleben, also mit Fokus auf den Menschen und das Gespräch. Das sind alles Dinge, die jungen Menschen helfen, sich nicht ständig im Außen und damit mit einer Realität zu vergleichen, die es so nicht gibt. Die aber zu enormen Erfolgsdruck führen kann.

Ali Mahlodji im Interview
"Gerade junge Menschen müssen lernen, ihr Smartphone auch mal beiseitezulegen", ist Ali Mahlodji überzeugt. Foto (c)Ali Mahlodji

Du bereitest die junge Generation auf Jobs vor, die es heute noch gar nicht gibt. Hast du eine Vision, welche neuen Aufgaben entstehen könnten – etwa im Bereich Business Development?

Wir werden immer mehr Menschen brauchen, die anderen dabei begleiten, sich zu transformieren. Das heißt: Weil Künstliche Intelligenz immer besser wird, brauchen wir auch Menschen, die einfach bessere Menschen sind. Die wieder menschlicher, authentischer agieren, emotionale Kompetenzen wie Empathie wieder mehr kultivieren, auch vernetztes Arbeiten vorantreiben. Diese Transformation muss also ganz stark auch im Inneren stattfinden. Nur, indem wir achtsam mit uns selbst, mit unseren Beziehungen und unseren Ressourcen umgehen, tun wir etwas für unsere Welt. Das wird dazu führen, dass wir Menschen immer mehr in Co-Kreation arbeiten. Business Development der Zukunft wird nicht mehr bedeuten, nur rauszugehen und ein Produkt zu verkaufen. Sondern in Co-Kreation innerhalb der Lieferketten werden neue Modelle kreiert, anhand derer sich nicht nur einzelne Unternehmen weiterentwickeln. Sondern bestenfalls der gesamte Markt wird gemeinsam profitieren.

Okay, was da auch kommen mag in Zukunft: Der Glaube an sich selbst, an seine Geschichte, an seine Skills kann jede/n ganz weit bringen. Ein fundiertes Studium wäre ein optimaler Start?

Wenn ich weiß, dass mir der Studienbereich taugt und ich später gerne in dem Job arbeiten will – dann ja! Doch wie viele junge Menschen gibt es, die ein Jus-Studium absolvieren, nur weil ihre Eltern es wollen!? Sie studieren brav zu Ende und arbeiten danach in dem Job, begreifen ihn aber auch nur als „Job“. Und jetzt kommt plötzlich Künstliche Intelligenz, die dich zum Beispiel als Anwalt inhaltlich komplett ersetzen kann. Wenn du deinen Job dann nicht mit Leidenschaft machst, wirst du natürlich morgen sofort ersetzbar sein. Das heißt: Wer als Jugendlicher im Alter von 14 oder 15 Jahren noch nicht weiß, was er später einmal machen will – dem empfehle ich erstmal eine Lehre. Da lernt man Dinge, die man als Fachkraft später wirklich braucht, man verdient sein eigenes Geld, man hat sofort Zugang zur echten Arbeitswelt, und man kann sich erstmal austesten. Wer aber wirklich Bock hat, ein Business-Studium zu absolvieren, weil die Branche spannend und inspirierend ist – ja klar, go for it!

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